Direkt und vor Ort
Die SPD/CDU-Koalition hat sich in den letzten Jahren bemüht, Berlin
zur Dienstleistungsmetropole für die Eliten aus Politik, Wirtschaft und Banken
herzurichten. Sie hat dazu eine unsolidarische und bürgerferne Politik
betrieben und die soziale und kulturelle Polarisierung der Stadt beschleunigt. Die
von SPD und CDU durchgedrückte Zusammenlegung der Berliner Bezirke zu
künstlichen Großverwaltungseinheiten und eine an profitwirtschaftlichen
Dienstleistungsunternehmen orientierte »Reform« der öffentlichen Verwaltung
werden die Probleme der Stadt in den kommenden Jahren zusätzlich verschärfen.
Für einige bietet diese Entwicklung eine soziale und berufliche Perspektive.
Aber für viele, gerade auch hier im Prenzlauer Berg, bedeutet sie Bedrohung
mit sozialem Abstieg, Ausgrenzung und Verdrängung aus dem angestammten
Kiez. Diese Menschen brauchen mehr Stimmen im Parlament und anderswo. In
dieser Situation wird die Selbsttätigkeit der Bürger in den Kiezen für die
Gestaltung einer menschlichen, lebenswerten Stadt dringlicher als je zuvor.
Selbstbestimmung, Gemeinsinn und Solidarität vor Ort zu fördern, ist für mich
grundlegendes Prinzip politischen Wirkens.
Gemeinsinn und Solidarität
Wegen einer auf Gemeinsinn und Solidarität gerichteten Politik in Berlin
sind für mich vor allen Dingen die Sicherung bezahlbarer Wohnungen, die
Gestaltung der Wohngebiete als Lebensraum und die Schaffung politischer
Mitgestaltungsmöglichkeiten wichtig. Darauf werde ich auch zukünftig mein
politisches Wirken konzentrieren.
Stadterneuerung und bezahlbare Mieten
Die Modernisierung in den Altbauquartieren hat im Prenzlauer Berg zu
einer massiven Verdrängung der angestammten Wohnbevölkerung geführt. 60
bis 90 Prozent der betroffenen Mieter verlassen nach meinen Erfahrungen
Kiez und Bezirk, weil sie keinen angemessenen, bezahlbaren Wohnraum mehr
finden können. Dieser sozialen Trennung der Mieterschaft ist endlich
konsequent entgegenzutreten. Zwischen dem Schutz der Mieter vor Verdrängung und
den Profiterwartungen der Immobilien- und Abschreibungshändler kann es
im Interesse des Gemeinwesens keinen Kompromiß geben.
Deshalb gilt es: Den gesamten rechtlichen Handlungsrahmen zum Schutz
der Mieter gegen Verdrängung endlich konsequent auszuschöpfen; Den
Milieuschutz (Erhaltungsverordnung) auf die Altbauquartiere nördlich der
S-Bahn zwischen Schönhauser Allee und Greifswalder Straße auszudehnen;
Endlich langfristig wirksame Mietobergrenzen in den Sanierungs- und
Milieuschutzgebieten konsequent durchzusetzen; Die Privatisierung des städtischen
Wohnungsbestandes zu stoppen und lediglich an Mietergesellschaften und
Mietergenossenschaften zu verkaufen.
Der Kiez ist Lebensraum
Zum Leben im Kiez gehört neben modernisierten, bezahlbaren
Wohnungen auch ein lebendiges Wohnumfeld: Verkehr, Grünflächen, Gewerbe, soziale
Infrastruktur und Kultur. Die unvermeidlichen Interessenkonflikte sind
solidarisch zu lösen.
Es ist meines Erachtens erforderlich: Straßen in den Wohnvierteln durch
das Herausdrängen des Durchgangsverkehrs und eine möglichst optimale
Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zu beruhigen und als Lebensraum
zurückzugewinnen; Öffentliche Grünflächen und Spielplätze zu erweitern
und intensiver als bisher zu pflegen; Kleinteiliges Gewerbe in den Kiezen zu
schützen und zu fördern; Soziale Einrichtungen (Kitas, Schulen, Jugend- und
Seniorenfreizeitstätten) zu erhalten und zu erneuern; Die für den Bezirk
markante freie Kulturszene zu fördern.
Die heutige Anziehungskraft des Bezirkes ist untrennbar mit der
Aufrechterhaltung und dem Ausbau seines vielgestaltigen Stadtlebens verbunden.
Desintegration, Monostrukturen und Verdrängung rauben dem Bezirk die
Perspektive.
Mehr direkte Demokratie und Selbstverwaltung
Unter den geänderten Bedingungen von Regierungssitz und
Großbezirksbildung wird die direkte demokratische Mitwirkung und Selbsttätigkeit
der Bürger vor Ort noch wichtiger für die Lebensqualität in der Großstadt
Berlin. Die direkten Mitwirkungsrechte der Berliner auf Landes- und
Bezirksebene sind zu verbessern und auszuweiten. Die Entstehung und Entfaltung von
Bürgerinitiative und Selbsttätigkeit vor Ort ist durch günstige
Rahmenbedingungen zu fördern. Nicht »Quartiersmanagement« von oben sondern das
direkte Bürgerengagement ermöglicht eine soziale gemeinschaftliche und
solidarische Stadtentwicklung. Berlin für alle.