Aus dem Ausschuss für Gesundheit und Soziales
Zur Diskussion um die Seniorenbegegnungsstätten.
Bemerkungen und Schlussfolgerungen zur »Untersuchung zu ausgewählten Seniorenbegegnungsstätten und Einrichtungen der sozialen Betreuung von Menschen in problematischen Lebenslagen« des Instituts für angewandte Demographie (IFAD) vom August 2003
Während die repräsentative Befragung der Menschen über 60 Jahren einen Überblick zur angesprochenen Problematik im gesamten Bezirk gibt, ist die Befragung zu den Begegnungsstätten unvollständig, da nur die vom Bezirksamt finanzierten Einrichtungen berücksichtigt wurden.
Aus den Antworten kann entnommen werden, dass neben den untersuchten 10 Begegnungsstätten weitere 63 Senioreneinrichtungen besucht werden (Auswertung Frage 18, Seite 74). Zu den untersuchten Begegnungsstätten war die Anzahl der Äußerungen über sie so gering, dass diese ... soziologisch kaum noch seriös auswertbar ( Seite 31 obigen Berichts) waren. Die vom IFAD durchgeführte Untersuchung kann also nur sehr bedingt zur ursprünglich angestrebten Evaluierung der Begegnungsstätten herangezogen werden.
In der Untersuchung (Seite 12 letzter Absatz) wird die Aussage getroffen, dass ... der reale Bedarf bzw. die Freizeitinteressen- und Bedürfnisstruktur der Gesamtheit dieser Altersgruppe im Bezirk ... ermittelt werden konnte. Dies ist zumindest bezüglich des Angebots von Seniorenbegegnungsstätten zu hinterfragen, da als ein Ergebnis der Untersuchung der hohe Unbekanntheitsgrad dieser Einrichtungen festgestellt wird. Wie wird der reale Bedarf von etwas das nicht bekannt ist eingeschätzt? Andererseits entsprechen 21,5% (Seite 23) aller Befragten der Stichprobe mehr als 14.800 Menschen der betrachteten Altersgruppe im Bezirk, die dem Besuch einer Begegnungsstätte im Rahmen ihrer Freizeitbeschäftigung einen hohen Stellenwert zumessen (Seite 24, letzter Abschnitt) Tendenz steigend (da u.a. zukünftig die über 60 jährigen zunehmen). Die Planungen zu Seniorenbegegnungsstätten müssen daher von einem Mindestbedarf von ca. 15.000 älteren Menschen ausgehen.
In der Untersuchung wird nachgewiesen, dass viele der Befragten Personen aus der Stichprobe als favorisierte Freizeittätigkeit aktive Erholung angaben. Dies ist sicher im Zusammenhang mit dem Alter (knapp 40% der Befragten waren zwischen 60 und 65 Jahren) und dem Gesundheitszustand der Betreffenden zu sehen. Mit steigendem Alter und schlechterem Gesundheitszustand wird diese Freizeitaktivität nur eingeschränkt oder auch gar nicht möglich sein. Dieser Verlust an Lebensqualität kann in Abhängigkeit von den individuellen Möglichkeiten und Interessen durch Hinwendung zu mehr geistiger Beschäftigung (Bücher, Kunst, Theater, Film), Geselligkeit oder Kommunikation kompensiert werden. In der Untersuchung wird festgestellt, dass im wesentlichen ältere Personen (über 70 Jahre, vorwiegend weiblich) die Begegnungsstätten besuchen ... und die hier angebotenen Möglichkeiten sozialer Kommunikation und Zeitgestaltung nutzen... (Seite 18). Alter, Einsamkeit und Isolation wollen diese Menschen durch Geselligkeit und Kommunikation überwinden. Die Planungen zu Seniorenbegegnungsstätten sollten neben aktiver Erholung vor allem Möglichkeiten zur sozialen Kommunikation und geistiger Beschäftigung berücksichtigen.
Begegnungsstätten (die Untersuchten (sicher auch die nicht Untersuchten) in freier Trägerschaft und die in kommunaler Trägerschaft) sind in der Regel Treffpunkte in der Wohngegend, um gleichen Neigungen und Bedürfnissen, vor allem nach Geselligkeit und Unterhaltung, aber auch nach körperlicher und geistiger Aktivität nachzugehen (Seite 29). Sie erfüllen angesichts der ... aktuellen demografischen Entwicklung eine kaum zu unterschätzende soziale Funktion. Sie wirken, wie bereits mehrfach angedeutet, der Gefahr der Vereinsamung und Isolation, wie auch der Hilflosigkeit und dem Rollenverlust im Alter entgegen. In Ihnen und durch ihre Angebote werden individuelle Fertigkeiten und Fähigkeiten älterer Menschen gefördert, weiterentwickelt und zum Teil auch neu entdeckt. Dies wiederum wirkt sich, ... stimulierend auf eine positive Entwicklung des mitunter schon verlorengegangenen Selbstwertgefühls im Alter aus... (Seite 30). Die Planungen zu Seniorenbegegnungsstätten müssen die Wohnortnähe und die gefahrlose Erreichbarkeit berücksichtigen.
Für die Notwendigkeit ein nachhaltiges Angebot an preisgünstigen Begegnungsstätten aufrecht zu erhalten spricht neben der demografischen Entwicklung auch die absehbare soziale Entwicklung älterer Menschen. Gegenwärtig verfügt die Mehrheit der SeniorInnen noch über mehr oder weniger akzeptable Einkünfte. Schon mit den von der gegenwärtigen Regierung angestrebten Reformen wird die Belastung auch der Rentner größer. Künftige Rentnergenerationen haben von vornherein geringere Bezüge (z.B. der Anteil der »Hausfrauen« mit Mindestrente wird zunehmen, da in der jüngsten Vergangenheit vielfach zunächst die Frauen entlassen wurden. Sie hatten keine Chance weiter in die Rentenversicherung einzuzahlen). Die Auswirkungen der technologische Entwicklung und der hohen Arbeitslosigkeit über eine lange Zeitperiode führen u.a. zu geringeren Lebensarbeitszeiten und damit zu einer verringerten Rente.
Die Ergebnisse der Untersuchung und die prognostizierte demografische und soziale Entwicklung erfordern Entscheidungen zu den Begegnungsstätten auf der Basis folgender Prämissen:
1. Wohnortnahe Begegnungsstätten sind nachhaltig und kostengünstig für die ältere Bevölkerung zu erhalten und qualitativ weiter zu entwickeln.
2. In einer vom Bezirksamt zu erstellenden Konzeption für nachhaltig tätige und kostengünstige Begegnungsstätten sind die Synergien aus der Kooperation der einzelnen Abteilungen des BA und die Tätigkeit anderer Senioreneinrichtungen der jeweiligen Wohngegend zu berücksichtigen.
3. Im Bezirkshaushalt müssen auch künftig die notwendigen Mittel für die Unterstützung derartiger Begegnungsstätten eingestellt werden.
Axel Bielefeldt
13.10.2003