Projekt 100

Information für den Bezirksvorstand
von Ulrike Rosensky

 
Unsere Jugend – Eine Generation von Pragmatikern?

Sie sind keine Revoluzzer. Mit Ideologien und Protest haben die jungen Leute von heute genauso wenig im Sinn, wie mit einer Null-Bock-Einstellung. Statt dessen wollen die meisten von ihnen »Karriere« machen und eine »Familie gründen«.

Die Shell-Studie sagt ausserdem: »In den letzten 15 Jahren hat es bei den 12 bis 25 Jährigen ein Wertewandel eingesetzt«, dessen Ausdruck die Autoren der 14. Shell-Jugendstudie (August 2002), zu »einer der wichtigsten Jugendstudie in Deutschland, in einer neuen, pragmatischen Haltung« sehen.

 
Politik? Nein, danke!

Die 14. Shell-Studie bestätigt auch den Trend der letzten Jahre: (Partei-)Politik spielt keine Rolle mehr.

70% von ihnen geben an, sich wenig oder gar nicht zu interessieren. Die meisten 12- bis 25jährigen bekennen sich aber zur Demokratie als bestmöglicher Staatsform. Wenngleich traditionelle Formen der Politik im Alltag der Jugendlichen kaum eine Rolle mehr spielen, setzen sich viele von ihnen von soziale oder persönliche Belange ein. Über ein Drittel ist regelmäßig gesellschaftlich aktiv. Der Schwerpunkt ihres Engagement liegt dabei in der jugendlichen Lebensphäre, sowie beim Einsatz für konkrete, bedürftige Zielgruppen (ältere Menschen, Umwelt- und Tierschutz, sozial Schwächere, Ausländer, Menschen in armen Ländern).

 
Nicht meckern, sondern was tun!

Wenn junge Menschen sich sozial engagieren, möchten sie nicht nur meckern, sondern auch was tun. Dem steht ihre Wahrnehmung von Parteien, Gewerkschaften oder anderen Großorganisationen entgegen: Postengerangel, Interessenskämpfe, Gemeindedschungel und Sitzungsmarathon, charak-terisieren in ihren Augen diese traditionellen Formen gesellschaftlichen Engagement. Hierarchische Strukturen und Bürokratie stehen ihrem Tatendrang, ihrer Eigeninitiative und ihrer Spontanität entgegen. Das Vertrauen in die parteipolitische Handlungsfähigkeit ist entsprechend gering. Mehr als ein Drittel der Befragten gaben an, dass sie keiner der politischen Parteien zutrauen, die Probleme in Deutschland lösen zu können. Hinzu kommt der Eindruck von Korruption und Bestechlichkeit, der ihr Bild der politischen Parteien prägt. Die Kluft zwischen Jugend und Politik wird immer größer, die Gründe dafür sind vielfältig. Die Studie verdeutlicht in dieser Hinsicht zweierlei: Verlust an Glaubwürdigkeit auf Seiten der Politiker und ein vollkommen anderes gelagertes Verständnis der Jugendlichen, wie gesellschafts-politische Ziele zu realisieren sind, machen einen Vermittlungsprozeß sehr schwierig.

Wir werden in diesem Jahrzehnt den seit langer Zeit gravierendsten Generationsumbruch in der PDS erleben. Bereits jetzt übernehmen junge, amtierende Genossinnen und Genossen in der PDS nicht unerhebliche Verantwortung.

Nur: das macht aus uns noch lange keine politische Generation. Die 68er hatten bei allem Streit ein Projekt. Haben wir ein Projekt? Haben wir Leitbilder, haben wir eine sinnstiftende Philosophie für die nächsten 10 bis 20 Jahre?

Die Debatte über die junge Generation ist auch Ausdruck einer Orientierungslücke. In den letzen Jahren sind etliche Generationen ausgerufen worden. In der letzten Reihe der Plastikbegriffe ist die »Generation Guido«, in Anspielung auf den Vorsitzenden der FDP. Die Generation Guido ist ein Kunstbegriff derer, die eine zersplitterte Gesellschaft der Ich-Unternehmer als Vision haben. Sie sind keine Realität, sondern Erfindung. Und diejenigen, die sie ausrufen, haben keine Antworten auf die Zukunftsfragen unserer Gesellschaft.

Wir werden sehen, dass die Konservativen auch in Deutschland versuchen werden, die klaffende Orientierungslücke zu füllen und ich habe die Befürchtung, dass so mancher seine Identität vor allem darin findet, deutsch zu sein. Nichts wäre schlimmer als das.

 
Wir wollen was tun!

Zum 04.04.2003 haben Sascha Kummer, Marco Kirsch und ich zum ersten Mal die 100 jüngsten Genossinnen und Genossen aus unserem Bezirk zusammengerufen. Die Resonanz an Beteiligten war gut, die meisten der anwesenden, jungen GenossInnen wollen die Jugendarbeit in unserem Verband verändern, die Kritik an bestehen Strukturen besteht darin, so unsere GenossInnen, zu wenig gute Angebote an die jüngsten unserer Partei. Dies wollen wir nun ändern. Politik muss mehr sein als die Summe von vielen einzelnen Teilreformen. Politik muss auch sinnstiften und neue Sicherheiten ermitteln. Das ist im übrigen alles andere als Vergangenheitsromantik. Wir sollten auch nicht vergessen, dass die alten Sicherheiten nicht nur durch die technische Revolution des Kapitalismus weggefegt wurden und nicht wiederkommen werden. Sie hatten auch immer autoritäre und repressive Züge.

Ein Teil dieser Gruppe möchte sich in die Programmdiskussion einbringen, andere Aktive sich um unser Mauerparkfest kümmern und wiederum andere die aktuelle Tagespolitik in unserem Bezirks-verband kritisch und aktiv begleiten. Am Wochenende 09. bis 11. Mai 2003 steht unsere erste gemeinsame Wahlkampffahrt nach Bremen an. Ich hoffe, dass Weiteres folgt und Durchhaltevermögen besteht, eine lange Zeit am Ball zu bleiben. Denn:

Wir haben Verantwortung für unsere Partei, auch als einer der größten PDS-Bezirke bundesweit, die nur dann eine Zukunft haben kann, wenn eine zunehmende Bereitschaft unserer Mitglieder besteht, »die Veränderungen von PDS-Politik unter veränderten Rahmenbedingungen kritisch, aber aktiv zu begleiten« (PDS Berlin Drei, Bezirksvorstand Bericht, 1. Wahlperiode 2000-2002).